Die Eröffnung von Minidomm liegt rund 60 Jahre zurück, das Ende schon etwa 35 Jahre. Die Quellenlage zur Historie stützt sich vor allem auf Zeitzeugen, Publikationen von Minidomm und Zeitungsberichte, die jedoch teils voneinander abweichen. Zudem ist kein Firmenarchiv überliefert und regionale Archive haben eher geringe Dokumentenbestände. Die nachfolgende Darstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und absolute Richtigkeit.
Falls Sie Ergänzungen oder Korrekturen haben, freue ich mich über einen Hinweis an hallo@minidomm.de.

Miniaturstadt

minidomm geschichte Am 2. April 1967 eröffnete die Miniaturstadt als völlig neuartiges Konzept in West-Deutschland und auch die damals zahlreich entstehenden Freizeitparks schlugen eine andere Richtung ein. Auf 18.000 m² wurden meist bedeutende Bauwerke aus der deutschen Geschichte im Maßstab 1:25 gezeigt, einschließlich der damaligen DDR und den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Dazu gehörten z. B. Ulmer Münster, Schloss Neuschwanstein, Kloster Ettal, Würzburger Residenz, Nürnberger Burg, Brandenburger Tor, Dresdner Zwinger, Breslauer Rathaus und Danziger Krantor.
Daneben ergänzten zahlreiche Bauernhöfe die Ausstellung. Die Moderne repräsentierte der Stuttgarter Fernsehturm oder der New Yorker Flughafen, hinzu kam der Hafen von Bremerhaven in einem 3.000 m² großen Wasserbecken. Dort schwammen Schiffe, die Meilensteine in der technischen Entwicklung waren oder eine geschichtliche Bedeutung hatten. Dazu gehörten der Flugzeugträger USS Enterprise, das Passagierschiff France, der Atomeisbrecher Lenin, das Segelschulschiff Gorch Fock sowie die Frachtsegler Pamir und Passat.
Im Park war immer irgendwo etwas los, die Besucher wurden praktisch in das Geschehen reingezogen. An den Gehwegen standen Laternen mit Lautsprechern aus denen Musik lief, bei einigen Modellen wurde auf Knopfdruck die Historie erzählt, im Hafen fuhren Schiffe durch das Wasser, die auf dem Flughafen simulierten Starts und Landungen, an der Raststätte fuhren Autos vorbei. Eine Modelleisenbahn durchzog das gesamte Gelände, auf der etwa 40 Züge fuhren. Mit der Parkeisenbahn (Minidomm-Express) konnten Besucher das Gelände während der Fahrt erkunden. Im April 1969 kam das Restaurant hinzu, im August 1969 das Autokino und im August 1971 rundete das Hotel die Angebote ab. Der Parkplatz bot etwa 1.200 Stellplätze. Schwierig war die Gestaltung des Umfeldes mit Pflanzen, da auch sie maßstabsgerecht sein mussten.

Der Name Minidomm ist ein Kompositum aus Miniatur und Dommel. Der Freizeitpark war das Werk des Architekten Will Dommel, der sich damit einen lange gehegten Traum erfüllte. Er hatte Minidomm in Eigenregie aufgebaut und ohne öffentliche Mittel finanziert, wobei bis Mitte der 1970er-Jahre rund 50 Millionen DM investiert wurden. Der Park wurde dementsprechend selbstbewusst betitelt mit "Die Weltattraktion" oder "Die schönste Miniaturstadt der Welt mit den kostbarsten und imposantesten Nachbildungen aller Zeiten".

Entwicklung

minidomm geschichte Konzeptionell zeigte sich eine Verwandtschaft zum niederländischen Miniaturpark Madurodam (Baubeginn 1950 und eröffnet 1952). Publikationen von Minidomm nannten bei der Eröffnung im Jahr 1967 zwar eine 15-jährige Bauzeit und somit Baubeginn im Jahr 1952. Die eigentliche Planungs- und Bauphase verdichtete sich jedoch erst in den späten 50er-Jahren.
Die Fäden liefen in Düsseldorf im Dommel-Hochhaus bei Architekt und Projektleiter Heinz Hoffmann zusammen. Für die Nachbauten mussten Originalpläne besorgt und, wo das nicht ging, die Bauwerke aufwändig vermessen werden. Dazu reisten mehrere Teams durch Deutschland, besichtigten Objekte und machten Tausende Fotos. Schwierig war die Zusammenarbeit mit Stellen hinter dem Eisernen Vorhang. Die Miniaturbauten wurden in Handwerksstätten und von Spezialisten vor allem in Süddeutschland und Österreich angefertigt. Ziel war die exakte Nachbildung bis ins kleinste Detail. Die großen Modelle hatten eine Bauzeit von mehreren Jahren und gingen ins Geld, z. B. das Ulmer Münster kostete 750.000 DM. Die fertigen Miniaturbauwerke lagerten bis zur Eröffnung von Minidomm im Keller des Dommel-Hochhauses, im Jahr 1963 präsentierte man einige der Presse.

Die ursprünglich geplante Eröffnung im Jahr 1964 ließ sich allerdings nicht realisieren. Das Gelände hatte Will Dommel schon früh in Breitscheid (1975 nach Ratingen eingemeindet) bei Düsseldorf erworben. Das Gelände lag recht zentral in Nordrhein-Westfalen, war aber auch von anderen Bundesländern und von den Niederlanden gut erreichbar. Zudem lag es am Schnittpunkt der im Bau befindlichen Bundesstraße 1 sowie der Autobahnen 3 und 52. Dabei wurde jedoch bekannt, dass sich das Minidomm-Gelände verkleinern wird durch den Bau einer Autobahnabfahrt. Aufgrund des generellen Planungsverfahrens mussten die Arbeiten am Freizeitpark Anfang 1964 vorerst gestoppt werden.
minidomm geschichte Das Verhältnis mit Behörden scheint nicht immer spannungsfrei gewesen zu sein. Laut Zeitungsberichten soll Minidomm im Jahr 1966 Erdbewegungen vorgenommen sowie mit dem Bau des Hauptgebäudes mit dem Hotel-Restaurant begonnen haben, anscheinend ohne Genehmigung. Als Folge versiegelte die Behörde den Bau. Eine generelle Genehmigung zur Errichtung von Minidomm gab es seitens der Bezirksregierung etwa Mitte 1966. Bei der Eröffnung an Ostern 1967 waren die Probleme aber wohl weitestgehend gelöst. Auf sumpfigem Boden errichtet, waren zur Befestigung etwa 1.400 Wagenladungen Kies und Sand nötig gewesen. Statt den geplanten 18 Millionen DM lagen die Kosten inzwischen jedoch bei 26 Millionen DM. Neben den Verzögerungen trugen die vielen aufwändigen Modelle nicht unerheblich zu den Kosten bei.

Die Eröffnung am 2. April 1967 wurde mit einer großen Feier begangen, begleitet von Polizeikapellen, Bürgermeistern und Amtsträgern der umliegenden Städte und dem Freilassen von 1.000 Tauben. In die Luft gingen auch zahlreiche Luftballons, an denen Freikarten für Minidomm hingen.
Im Park standen damals knapp 60 Modelle, darunter schon viele der Großbauten, aber die Ausstellung war noch längst nicht fertig. In den folgenden Jahren kamen etwa 40 weitere Modelle hinzu. Sie waren aus Hartholz (Edelhölzern), Metall und Kunststoff hergestellt und auf dem Freigelände dem Wetter ausgesetzt. Das hatte ständige Pflegearbeiten zur Folge, da unter anderem auch die Luftverschmutzung des nahen Ruhrgebiets den Modellen zusetzte. So musste die Würzburger Residenz schon nach wenigen Jahren komplett erneuert werden. Insgesamt rechnete man mit einer maximalen Lebensdauer von 8 Jahren pro Modell und jährlichen Wartungskosten von jeweils bis zu 40.000 DM.

minidomm geschichte
Plan etwa aus Mitte der 70er-Jahre

Minidomm wurde schnell ein Besuchermagnet und konnte sich im Jahr 1972 mit 1,7 Millionen Besuchern auch europaweit vorne platzieren. Die Besucherzahlen pendelten sich in den Folgejahren etwa auf diesem Niveau ein. Auch Schulklassen aus der Region machten Ausflüge in die Miniaturstadt. Neue Modelle wie das Heidelberger Schloss gingen nach und nach an den Start und um 1979/80 kamen mit der Internationalen Ausstellung besondere Highlights hinzu. Man stellte sogar den originalen Wagen Nr. 24 der Wuppertaler Schwebebahn auf.
In den 70er-Jahren übernahm Will Dommels Sohn Georg zunehmend Verantwortung in Minidomm, gemeinsam dachte man fortschrittlich und brachte z. B. aus den USA neue Ideen mit. Das Erlebnis für Kinder weitete sich stetig aus z. B. mit Spielplatz, Puppenbühne, Karussell, Zeichentrickfilmen, Dampflok, Fernlenkschiffen, Edelsteinhöhle und Mini-Scooter. Erwachsene konnten sich bei Minigolf, oder Brettspielen entspannen.
Zahlreiche Veranstaltungen sorgten darüber hinaus immer wieder für Abwechslung. Einweihungen von Bauten und Schiffen nahmen bekannte Unterhaltungskünstler vor, wie Howard Carpendale, Karel Gott, Udo Jürgens, Heidi Kabel, Willy Millowitsch, Freddy Quinn und Lena Valaitis. Die Hochseilartisten der Familie Traber waren mehrfach da, Udo Jürgens drehte ein Musikvideo im Park, das beliebte RTL-Radio produzierte Sendungen vor Ort, es gab Feste, Ausstellungen und vieles mehr. Das interessierte meist auch die Presse, irgendetwas war in Minidomm immer los.

Will Dommel übergab die Leitung von Minidomm 1987 an seinen Sohn Georg und verstarb im folgenden Jahr mit 74 Jahren.

Ausbaupläne

Minidomm befand sich in Konkurrenz zu anderen Freizeitparks in der Region, die in den 60er- und 70er-Jahren zahlreich entstanden. Darunter Phantasialand in Brühl (eröffnet 1967), Potts Park in Minden (1969), Fort Fun in Bestwig (1972) und Traumland-Park in Bottrop (1977-91). Die Freizeitparks entstanden zunächst oft als Märchenpark, Tierpark oder Streichelzoo und veränderten das Angebot später hin zu Themenparks mit Achterbahnen, Wildwasserbahnen, Shows, Einschienenbahn, Rodelbahnen, Geschicklichkeitsspielen usw.

Ähnliche Ideen verfolgte auch Minidomm und wollte auf einer 280.000 m² großen Erweiterungsfläche das Angebot deutlich ausbauen, wie Zeitungen erfahren hatten. Um das Jahr 1973 wurden Pläne bekannt, Minidomm zu erweitern um einen künstlichen See von 40.000 m² zum Segeln und Rudern, ein Aquarium, einen afrikanischen Zoo, einen künstlichen Dschungel, eine Western-Ranch, einen Märchenzoo, ein Shoppingcenter und ein Spa. Dazu war von einem Hotel mit 500 Betten, einer Seilbahn und anderen Ideen die Rede. Hierbei wären Investitionen von 80 Millionen DM nötig gewesen, ein Teil sollte sogar schon zur Saison 1973 fertiggestellt sein. Inwiefern die Pläne überhaupt realistisch waren und ob die Infrastruktur einen immensen Zuwachs von Besuchern zugelassen hätte, sei dahingestellt. Aber wie man heute an erfolgreichen Freizeitparks sieht, war die Grundidee richtig.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Verwaltung wenige Tage später ruderte Minidomm teils zurück, während die Verwaltung auf die Bauvorschriften hinwies. Anscheinend hatte Minidomm ohne Genehmigung eine Bogenschießanlage und eine Torwand errichtet. Zu den Ausbauplänen wies die Verwaltung auf die nötige Beteiligung von immerhin 30 Behörden hin. Damit hatte sich die Erweiterung erst einmal erledigt.
In den folgenden Jahren gab es immer wieder Ankündigungen über einen geplanten Ausbau, er kam jedoch nie in dem angedachten Maße. Man konnte lediglich Ende der 70er-Jahre westlich der Miniaturstadt und hinter der Leinwand des Autokinos einen kleinen Streifen Land hinzunehmen. Die fehlenden Ausbaumöglichkeiten dürften sicherlich nicht hilfreich gewesen sein, auf lange Sicht war man in einem beengten Gelände gefangen. Ideen gab es andererseits immer viele, so ging 1969 durch die Presse, dass an einen Minidomm-Ableger auf Mallorca gedacht wird. Die Frage ist, was von alledem tatsächlich umgesetzt worden wäre.

Ende

Warum der Park letztendlich geschlossen wurde, dürfte eine ganze Reihe von Gründen haben.

Die um 1980 hinzugefügten internationalen Bauten mussten überwiegend auf dem bisherigen Gelände untergebracht werden, Anträge für Erweiterungen sollen abgelehnt worden sein. Letztendlich baute man z. B. die Tower Bridge ins Wasserbecken, den Triumphbogen auf einen Springbrunnen und die Apollo-Rakete am Rande des Flughafens. Zwar gab es ab Mitte der 80er-Jahre vereinzelt noch neue Miniaturmodelle, wesentliche Neuerungen scheinen aber ein Märchenpark, Spielgeräte, Hüpfburgen und Rutschen gewesen zu sein.
Das Freizeitverhalten hatte sich mit der Zeit ebenfalls geändert. Reisen und Fernurlaube waren erschwinglich geworden, vieles konnte man sich im Original ansehen. Computerspiele begeisterten die Jugendlichen, Action-Freizeitparks waren angesagt, man wollte etwas erleben. Hier konnte Minidomm nicht mehr ganz mithalten, die Besucherzahlen sanken, bei gleichzeitigem Investitionsbedarf. Auch das Interesse an Autokinos, dem zweiten Standbein von Minidomm, ließ immer mehr nach.

minidomm geschichte Am 31. Oktober 1992 schloss Minidomm, kurz nach dem 25. Geburtstag, seine Türen am Ende der Saison für immer.
Zwar ist hier und da zu lesen, dass danach alles nach China verkauft wurde. Tatsächlich gingen die Modelle und das Inventar vor Ort in die Versteigerung und quasi jeder konnte sich ein Stück Minidomm sichern. Es gibt auch Berichte, dass nicht alles einen Abnehmer fand und deswegen zerstört werden musste. Das Hauptgebäude blieb zunächst stehen und wurde zeitweise als Unterkunft für Asylbewerber genutzt. Als während des Leerstands in den Jahren 1995 und 1996 Feuer ausbrachen, war das Gebäude nicht mehr zu retten. Die goldene Kuppel des Turms wurde, laut persönlicher Bestätigung mir gegenüber, ca. 1997 abmontiert und im Jahr 2000 auf einem Hof in Niederösterreich zerlegt. Das ehemalige Minidomm-Gelände ist heute ein Industriegebiet und weitestgehend überbaut. Alle Modelle, die Gebäude, das Autokino und letztendlich sämtliche Spuren sind verschwunden, vor Ort erinnert heute nichts mehr an Minidomm.

Das Ende von Minidomm ist natürlich sehr schade, Millionen von Besuchern haben während der 25 Jahre des Bestehens eine schöne Zeit mit den vielfältigen Angeboten erlebt. In vielen Mails, die ich erhalte, denkt man gerne an die Besuche zurück. In Deutschland gibt es noch eine Reihe ähnlicher Miniaturstädte, darunter mit "Klein Erzgebirge" im sächsischen Oederan die älteste Anlage Deutschlands. Die erfolgreichste Miniaturanlage Deutschlands ist heute mit etwa 1,5 Millionen Besuchern pro Jahr das Miniaturwunderland in Hamburg, das Phantasialand im Rheinland hat jährlich etwa 2 Millionen Besucher. Diese Zahlen hat Minidomm schon in den 70er-Jahren erreicht und im Vergleich zeigt sich, welche Bedeutung es damals hatte. Das unterstreicht die herausragende Leistung von Will und Georg Dommel.

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